Energiemanagement - 14.01.2016
Fast alle modernen Wärmepumpen sind Smart-Grid-fähig und können daher auch mit PV-Strom kostengünstig betrieben werden. Mit innovativen Lösungen kann eine PV-Anlage am eigenen Dach nicht nur wirtschaftlich sinnvoll sein, sondern auch helfen, energieautark zu werden. Von Wolfgang Sedlak

Optimales Anlagenkonzept – wer eine PV-Anlage mit einer Wärmepumpe kombinieren möchte, sollte sich gezielt für eine Wärmepumpe entscheiden, die den Eigenverbrauch ­optimiert und ihr Verhalten an die Stromerzeugung der PV-Anlage anpassen kann.

Die Wärmepumpe liegt gut im Trend. „Etwa drei von vier neu errichteten Häusern im Ein- bzw. Zweifamilienbereich haben eine Wärmepumpe“, freut sich Stiebel Eltron-Geschäftsführer Thomas Mader. Während der Trend in Deutschland steigt, den Überschussstrom der PV-Anlage für die Wärmepumpe – die vielfach im Sommer auch als Kühlung dient – effizient einzusetzen, geht es hierzulande diesbezüglich nur langsam voran. „Der Grund ist klar“ weiß Viessmann-Produktmanager Gottfried Eder: „Einerseits ist der Strompreis in Deutschland höher als in Österreich, andererseits ist die Photovoltaik heuer durch die geringere Förderung und die seit dem Vorjahr existierende Eigenverbrauchsabgabe langsam gewachsen.“ Bei einem Strompreis von rund 27–30 c/kWh in Deutschland amortisiert sich so eine Investition natürlich schneller als bei in Österreich im Schnitt verlangten 15 c/kWh. Dennoch ist man in der Wärmepumpenbranche optimistisch, da man durch intelligente Systeme weniger abhängig wird vom Stromlieferanten und PV-Pufferbatteriespeicher noch teuer sind.

Intelligentes Energiemanagement

Wärmepumpenhersteller kooperieren in diesem Bereich entweder mit Wechselrichteranbietern – Stiebel Eltron z. B. verstärkt mit SMA und deren Sunny Home Manager – oder bieten wie Viessmann eigene intelligente Systeme an. Produktmanager Eder: „Wir haben eine echte Eigenverbrauchsoptimierung und nutzen immer nur jenen PV-Strom, der auch tatsächlich als Überschuss vorliegt. Haushaltsstrom für beispielsweise Kühlschrank, Geschirrspüler oder Waschmaschine hat Vorrang. Hier reagiert ein Energiezähler auf den benötigten Haushaltsstrom, erkennt, wenn ein echter Überschuss vorliegt – und nur der wird für die Wärmepumpe genutzt.“ Eder warnt vor Systemen, die zwar beim Einschalten auf den Stromüberschuss reagieren, aber erst ausschalten, wenn der Pufferspeicher komplett voll ist. Das Kriterium sollte immer „Überschuss“ lauten.

Bei normalem Netzstrom erzeugt die Wärmepumpe die gewünschte Normaltemperatur im Pufferspeicher, etwa 35 °C oder 50 °C. Steht Überschussstrom aus der PV-Anlage zur Verfügung, kann er effizient genutzt werden, indem der Pufferspeicher auf eine erhöhte Temperatur, beispielsweise 65 °C, aufgeheizt und damit ein Wärmevorrat angelegt wird. Wenn die Sonne scheint und viel Energie liefert, wird die erhöhte Solltemperatur erzeugt – und bei Nacht oder an sonnenarmen Tagen greift der Nutzer auf die gespeicherte Wärme zurück.



Überschussstrom zum Kühlen nutzen

„Im Winter gibt es weniger PV-Strom, dafür muss mehr geheizt werden – wie passt das zusammen?“ Viele Wärmepumpen dienen nicht nur zum Heizen bzw. zur Warmwasseraufbereitung, sie können im Sommer auch zum Kühlen eingesetzt werden. Und da geht die Rechnung auf jeden Fall auf. Geschäftsführer Thomas Mader: „Im Sommer kann das auch für eine Komfortlüftung genutzt werden.“ In Einfamilienhäusern spielt die Kühlung durch die Wärmepumpe eine zunehmende Rolle, da machen die Kombination einer PV-Anlage am eigenen Dach und die Nutzung des Eigenverbrauchs noch mehr Sinn. Durch die Invertertechnologie kann die Wärmepumpe an den aktuellen Wärmebedarf bzw. die vorhandene Stromüberschussmenge besonders effizient angepasst werden. Ein Vorteil der Invertertechnik ist der nicht mehr benötigte Elektro-Heizstab. Durch das Modulieren (Anpassen der Wärmepumpe an den Wärmebedarf) kann mit einem minimalen Strombedarf die benötigte Wärmeleistung für Heizung und Brauchwasser erbracht werden.  Die Smart-Grid-Ready-Funktion ist ein Standard, der es ermöglicht, eine Wärmepumpe in einem intelligenten Netz – einem Smart Grid – anzusteuern und so den günstigsten Strom, egal, ob vom Energieversorger oder der eigenen PV-Anlage, zu nutzen.

(K)ein Fall für Elektrotechniker?
Die in Deutschland existierende Diskus­sion, wer solche PV-Heizsysteme installiert, gibt es hierzulande nicht. Sie werden hauptsächlich in Einfamilienhäusern eingesetzt, in Mehrfamilienhäusern nur zum Teil, wie man auch bei Junkers bestätigt. Da ist in Österreich eindeutig der HLK-Installateur für das Thema Wärmepumpe zuständig, auch wenn ein Elektrotechnik-Fachmann für die Regelung benötigt wird. Allerdings haben hier v. a. die großen Unternehmen meist auch eine Elektrokonzession, um solche Anlagen ordnungsgemäß anzuschließen. Und kleinere HLK-Firmen bzw. jene, die mit der Photovoltaik weniger am Hut haben, holen sich dabei die Hilfe der Spezialisten.

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