Fassadenbegrünung - 29.05.2017
Die Biologin Alina Schick lässt Bäume und Pflanzen in eigens gebauten Pflanzkübeln waagerecht um die eigene Achse rotieren, sodass diese die Orientierung nach oben verlieren und parallel zum Boden wachsen.

High-Tech-Pflanzen fürs Reformationsjubiläum: Die Bio-Installation von Alina Schick zeigt neue Wege der Fassadenbegrünung auf. Foto: Visioverdis

Mit waagerecht wachsenden Pflanzen lässt sich der Flächenkonkurrenz in den wachsenden Städten begegnen, ist Schick überzeugt: „Das erlaubt noch weitere Nutzungen für die bislang nahezu ungenutzten vertikalen Flächen in Städten: zum Beispiel im Bereich Vertical Farming von Nahrungsmitteln.“ Seit 2011 forscht die Gründerin von Visioverdis, einem Spin-off der Stuttgarter Universität Hohenheim, an den waagerecht wachsenden Pflanzen.

Den Pflanzen schade das nicht, versichert die Biologin: „Der erste Ligusterbaum, den wir in einen solchen rotierenden Kübel gesetzt haben, dreht sich nun schon seit drei Jahren und ist nach wie vor gesund.“ Sensoren in den Pflanzgefäßen messen beständig den Feuchtigkeitsgehalt der Erde und steuern die Wasserzufuhr entsprechend. Schick und ihr Team können von überall aus per Computer überwachen, ob es den Pflanzen gut geht.

Entstanden ist Visioverdis als Antwort auf die Frage, wie in den stetig wachsenden Städten für saubere Luft gesorgt werden kann. Rund 68 Prozent der CO2-Emissionen, so die Biologin, entstünden in Städten – mit weitreichenden Auswirkungen auf das Weltklima. „Pflanzen können die Luftqualität verbessern und die Luft von Schadstoffen befreien. Es ist deshalb dringend nötig, neuen Raum für Pflanzen in den Städten zu schaffen. Hier setzt unsere Technologie zur Fassadenbegrünung an.“

Gemeinsam mit zwei weiteren Bäumen sowie verschiedenen Blumen- und Gräser-Arten ist der erste waagrechte Baum nun vom Gewächshaus an der Universität Hohenheim in Stuttgart in die Lutherstadt Wittenberg umgezogen. Anlässlich des 500. Jahrestags des Beginns der Reformation wächst dort nun entlang der Außenwand einer ehemaligen Schmiedehalle auf 54 Quadratmetern senkrechter Fläche ein Park - inklusive Fahrradweg.

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Im Inneren der Schmiede wachsen an einer Seilkonstruktion in 80 aufgeschnittenen Weinflaschen Reben einer eigens gezüchteten Sorte. Foto: Visioverdis

Homepage Visioverdis

Webseite Universität Hohenheim

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